Reformhaus – das andere Einkaufserlebenis

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n sich empfinde ich ein Reformhaus im Vergleich mit einem Supermarkt ja ziemlich klein an Raum, um die Vielfalt an essbaren Möglichkeiten zu präsentieren. Umso erstaunlicher ist es immer wieder, dass ich all das, was ich Netz finde und ausprobieren möchte, im Reformhaus bekomme. Während ich im Supermarkt an gefühlt endlosen Regalen vorbeiwandere und am Ende immer noch nicht weiß, welche Sorte Quark oder Käse es denn nun diesmal sein soll, stelle ich bei mir ein weitaus gezielteres Verhalten im Reformhaus fest.

Lese ich im Netz von Quinoa, Buchweizen, glutenfreien Nudeln – gibt´s die prompt in unterschiedlicher Auswahl im Reformhaus. Auf die Frage nach etwas Gutem mit Brennessel drin, verlasse ich das Geschäft glücklich mit ´ner Flasche Schoeneberger naturreinem Brennessel – Heilpflanzensaft. Und damit ich auch ja keine unnötige Arbeit habe, hab ich von meiner Lieblings-Ansprechpartnerin (was frei übersetzt soviel wie „Verkäuferin“ bedeutet) die Info zur richtigen Zubereitung gleich mit auf den Weg bekommen. Also nix da mit unverdünntem Trinken, sondern schön in Wasser oder Saft geben – dies um die Geschmacksnerven nicht allzu sehr zu malträtieren.

Eine ganz neue Reise hat begonnen

Ganz ehrlich: Zu Beginn meiner persönlichen Reformhaus Ära musste ich meine Augen schon erst einmal sprichwörtlich „umerziehen“. Denn der vom Supermarkt gewohnt knallbunten und vollgepackten Vielfalt mit eingebautem „Kauf – mich“ Marktschreifaktor wurden diese meine Augen im Reformhaus so rein gar nicht gewahr. Ging euch das auch so?

Hier jedenfalls mit die ersten Schätzchen, die ich Reformhaus erstanden habe:

Einkauf Reformhaus

So dachte ich dann zu Anfang noch leise bei mir: „Sieht ja schon irgendwie recht nüchtern aus – so wie es scheint, wird der Rest Deines Lebens aus kulinarischen Dürrezeiten bestehen, Frau Inga.“ Aber ein derartiger Zustand sollte sich glücklicherweise nicht einstellen, ganz im Gegenteil.

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ür mich fühlt sich die Ernährungsumstellung wie eine spannende Reise mit schier endlos neuen Erlebnissen an.  Klar passiert es, dass das eine oder andere Produkt meinen neuen Speiseplan über kurz oder lang wieder verlässt, eben weil es z.B. für mich schlichtweg kaum bis keine positiven Assoziationen im Hinblick auf Geschmack hervorruft und auch nicht unbedingt notwendig ist. Wie zum Beispiel Brotaufstrich in Dosen, den mochte ich auf Dauer dann doch nicht. Da hab ich mich kurzerhand zur Eigenproduktion in Sachen Brotaufstrich entschlossen, und dazu Rezepte ausprobiert, die ich im Netz gefunden habe. Damit nicht genug – „nebenbei“ wird meine Phantasie angeregt und ich fange an, ganz eigene Kreationen für auf´s Brot auszuprobieren.

Ich lass mich ja im Geschäft lieber bedienen.

[- meine Oma]

Den Spruch von meiner Oma habe ich als junger Mensch nie so ganz verstanden. Denn in Sachen Verweigerung, diese zu betreten, war sie bis ins hohe Alter äußerst renitent. Erst in den letzten Jahren ihres Lebens ging sie eine Art Zweckgemeinschaft mit Kaiser´s ein. Und erst jetzt, nach vielen, vielen Jahren, verstehe ich, was Oma eigentlich meinte. So dachte ich im Jugendalter noch, dass es vermessen bis arrogant sei, sich bedienen zu lassen anstatt in einem Supermarkt selbst alles zusammenzusammeln, was in die heimische Küche befördert werden soll. Jetzt merke ich, wie toll es ist, wenn da jemand ist, der mir erklärt, was es denn wie und womit auf sich hat. Und dass dafür sogar ausreichend Zeit vorhanden ist und ich jedes Mal um mindestens einen neuen Tipp reicher den Ort des Geschehens wieder verlasse.

Wie Recht Oma doch hatte

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ie gut kann ich Oma jetzt verstehen, um wie viel reicher muss ihr Einkaufserlebnis seinerzeit gewesen sein. Ein Schwätzchen mit der Dame hinter der Theke halten ist soviel mehr Wert als stumm entlang ellenlanger Regale zu irren. So hat das Bedientwerden ja auch etwas Soziales. Man wird beraten und zum eigenen Bedarf weiter passende Produkte werden aus erster Hand empfohlen – eben vom Verkäufer des Vertrauens. Vor allem ist Zeit an der Kasse – ich krieg meist die Krise, wenn ich mich abhetzen muss, um alles noch schnell zu verstauen, bevor die Waren vom Hintermann/frau in die Ausgabe „kullern“ und sich mit meinen zu vermengen drohen.

Dabei ist es jetzt nicht so, dass ich jetzt gar nicht mehr in den Supermarkt gehe. Ganz im Gegenteil – aber ich habe es wirklich schätzen gelernt, wenn ich auf meine Frage, in welchem Regal das Produkt X steht, auch gleich noch Tipps zur Verwendung mitgeliefert bekomme, um z.B. meine basische Ernährung noch weiter zu optimieren.

An sich muss es ja für ein solches Sozial-Erlebnis nicht unbedingt das Reformhaus sein – gibt´s bei euch auch ein Geschäft, wo es euch magisch hinzieht, weil ihr dort gefühlt das gewisse „Mehr“ bekommt?

 

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